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Eva Strittmatter (* 8. Februar 1930 in Neuruppin; † 3. Januar 2011 in Berlin)
Vor dem Winter
Ich mach ein Lied aus Stille
Und aus Septemberlicht.
Das Schweigen einer Grille
Geht ein in mein Gedicht.
Der See und die Libelle
Das Vogelbeerenrot
Die Arbeit einer Quelle.
Der Herbstgeruch von Brot.
Der Bäume Tod und Träne.
Der schwarze Rabenschrei.
Der Orgelflug der Schwäne,
Was es auch immer sei,
Das über uns die Räume
Aufreißt und riesig macht
Und fällt in unsre Träume
In einer finstren Nacht.
Ich mach ein Lied aus Stille.
Ich mach ein Lied aus Licht.
So geh ich in den Winter;
Und so vergeh ich nicht.
Letzte Ehre in Schulzenhof

Eva Strittmatter ist am Samstag, den 8. Januar in ihrem brandenburgischen Heimatort Schulzenhof (Landkreis Oberhavel) beigesetzt worden. Sie fand ihre letzte Ruhe an der Seite ihres Mannes, dem Schriftsteller Erwin Strittmatter.

Eva Strittmatter galt als eine der meistgelesenen deutschen Lyrikerinnen. Im Osten Deutschlands erreichten ihre Gedichtbände Auflagen von mehr als zwei Millionen Exemplaren. Die Trauerrede hielt der frühere Präsident des DDR-Schriftstellerverbandes, Hermann Kant.

Während der Zeremonie wurde über Lautsprecher ein Gedicht verlesen, das Eva Strittmatter noch zu Lebzeiten über ihren eigenen Tod geschrieben hatte. Als erste traten ihre drei Söhne Ilja, Erwin und Jakob an das auf einem Hügel gelegene Grab. Erwin Strittmatter beugte sich über die Ruhestätte und sagte zum Abschied von seiner Mutter: »Eine große Frau neben einem großen Mann.« Sein Vater hatte sich vor allem mit volksnahen Werken einen Namen gemacht (»Ole Bienkopp«, »Der Laden«) und war von 1969 bis 1983 Vizepräsident des Schriftstellerverbandes.

Sie wurde am 8. Februar 1930 in Neuruppin geboren. Die studierte Germanistin und Lektorin begann Mitte der 1960er-Jahre mit dem Schreiben. Ihre Gedichtbände tragen poetische Namen wie »Ich mach ein Lied aus Stille« (1973) oder »Mondschnee liegt auf den Wiesen« (1975). Ihre Themen waren hauptsächlich Naturbeschreibungen, Gefühle und menschliche Haltungen.

Einblicke in die Schreibwerkstatt und die persönlichen Beziehungen des Schriftsteller-Ehepaares geben die von Eva Strittmatter in drei Bänden veröffentlichten »Briefe aus Schulzenhof«. Anfang der 1950er-Jahre hatten sich die Strittmatters auf ihr bäuerliches Grundstück nach Schulzenhof in Dollgow (Oberhavel) zurückzogen. Es blieb nach dem Tod des Lebensgefährten das Zuhause der Lyrikerin.